Wann ist eine Blasenentzündung chronisch?
Von einer chronischen oder wiederkehrenden Blasenentzündung spricht man bei zwei oder mehr Blasenentzündungen in 6 Monaten oder drei oder mehr in 12 Monaten. Das betrifft etwa 3 % aller Frauen. Die Hälfte aller Frauen hat mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung – bei den meisten bleibt es dabei, bei manchen wird daraus ein Kreislauf.
Warum kommt sie immer wieder?
Selten ist es nur eine Ursache. Meist kommen mehrere zusammen:
- Erreger aus dem Darm: Der häufigste Keim ist E. coli, seltener Klebsiellen, Proteus oder Enterokokken.
- Viele Antibiotika: Breitbandantibiotika treffen auch die schützenden Bakterien in Scheide und Darm – und machen den nächsten Infekt wahrscheinlicher.
- Scheidenflora und Hormone: Fehlen die schützenden Milchsäurebakterien, etwa in den Wechseljahren, haben Keime leichtes Spiel.
- Anatomie und Alltag: die kurze Harnröhre der Frau, Geschlechtsverkehr, spermizide Verhütungsmittel.
- Restharn oder eine Harnröhrenenge: Die Blase entleert sich nicht vollständig – Bakterien bleiben zurück.
- Ein erschöpftes Immunsystem: Oft ist es dauerhaft mit einer stillen Entzündung beschäftigt und wehrt die Erreger nicht mehr zuverlässig ab.
Typische Beschwerden
- ständiger Harndrang, auch bei wenig Urin
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Druck oder Schmerzen im Unterbauch
- trüber, blutiger oder unangenehm riechender Urin
Warnzeichen: Fieber, Schüttelfrost oder Schmerzen in der Flanke können bedeuten, dass die Entzündung zu den Nieren aufgestiegen ist. Dann brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
So gehe ich in der Sprechstunde vor
- Ihre Geschichte: Wie oft, seit wann, welche Keime, welche Antibiotika? Bringen Sie Ihre Vorbefunde mit.
- Urin: Untersuchung und Kultur.
- Ultraschall: Nieren, Blase, Restharn.
Behandlung
Im akuten Infekt
Nicht jede Blasenentzündung braucht ein Antibiotikum. Studien zeigen, dass auch Ibuprofen oder eine pflanzliche Kombination aus Rosmarin, Tausendgüldenkraut und Liebstöckel vergleichbar wirken können. Wenn ein Antibiotikum nötig ist, setze ich bevorzugt Nitrofurantoin ein: Es ist ein Schmalbandantibiotikum, wirkt vor allem im Urin und schont die Darmflora. Die Leitlinie nennt außerdem Fosfomycin, Nitroxolin und Pivmecillinam.
Und bei Männern?
Männer haben in der Regel keine reine Blasenentzündung, sondern fast immer auch eine Mitbeteiligung der Prostata. Bei einer reinen Blasenentzündung kommt auch beim Mann Nitrofurantoin infrage; ist die Prostata beteiligt, braucht es ein Breitbandantibiotikum.
Vorbeugung bei wiederkehrenden Infekten
Nitrofurantoin kann auch über längere Zeit niedrig dosiert gegeben werden – zur Nacht oder jeweils nach dem Geschlechtsverkehr. D-Mannose und Cranberry werden viel empfohlen, die Studienlage ist jedoch widersprüchlich.
Die Ursachen angehen
Die Vorbeugung mit Nitrofurantoin ist einfach – die Ursachen der Infekte beseitigt sie aber nicht. Wer ihnen auf den Grund gehen möchte, für den suche ich zusätzlich nach den Ursachen – zum Beispiel Gifte, Störfelder oder Nährstoffmängel. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Wie ich dabei vorgehe, lesen Sie unter So suche ich nach den Ursachen.
Was Sie selbst tun können
- Trinken Sie über den Tag verteilt 1,5 bis 2 Liter.
- Gehen Sie nach dem Geschlechtsverkehr zur Toilette.
- Das Abwischen auf der Toilette sollte immer von vorne nach hinten erfolgen, um keine Darmbakterien in die Scheide zu befördern.
- Halten Sie Füße und Unterleib warm; wechseln Sie nasse Badesachen gleich.
- Verzichten Sie auf Intimsprays und Rasierschaum im Intimbereich.
Ihre Spezialistin für chronische Blasenentzündungen in Berlin
Seit vielen Jahren behandle ich Frauen und Männer mit wiederkehrenden Blasenentzündungen – schulmedizinisch nach der Leitlinie und, wo das nicht reicht, ganzheitlich.
Häufige Fragen
Warum kommt meine Blasenentzündung immer wieder?
Meist kommen mehrere Dinge zusammen: Bakterien aus dem Darm, eine gestörte Scheidenflora – oft nach vielen Antibiotika oder in den Wechseljahren –, Geschlechtsverkehr, manchmal Restharn oder eine enge Harnröhre. Dazu kommt ein Immunsystem, das die Erreger nicht mehr zuverlässig abwehrt. Welche Faktoren bei Ihnen zusammenspielen, lässt sich nur mit einer genauen Untersuchung klären.
Was tun, wenn die Blasenentzündung trotz Antibiotikum nicht weggeht?
Zuerst sollte eine Urinkultur zeigen, welcher Keim vorliegt und welches Antibiotikum wirkt – resistente Keime werden häufiger. Und manchmal ist der Infekt vorbei, die Blase aber noch gereizt; dann hilft eher eine pflanzliche Nachbehandlung als das nächste Antibiotikum.
Ist eine chronische Blasenentzündung heilbar?
Das hängt von den Ursachen ab. Wenn man sie findet und behandelt, werden die Infekte oft deutlich seltener. Ein Versprechen kann ich nicht geben – aber ich suche gezielt nach dem, was bei Ihnen dahintersteckt.
Blasenentzündung ohne Bakterien – was steckt dahinter?
Wenn im Urin keine Bakterien gefunden werden, die Beschwerden aber bleiben, ist es möglicherweise keine Blasenentzündung, sondern zum Beispiel ein Blasenschmerzsyndrom (Interstitielle Zystitis). Diese Unterscheidung ist wichtig, denn die Behandlung ist eine andere.
Kann man eine Blasenentzündung ohne Antibiotikum behandeln?
Oft ja. Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung können Ibuprofen oder ein pflanzliches Mittel ausreichen. Ob ein Antibiotikum nötig ist, entscheide ich mit Ihnen im Einzelfall.
Wann sollte ich zum Urologen oder zur Urologin gehen?
Viele Frauen versuchen es zuerst mit einem pflanzlichen Mittel aus der Apotheke, und eine einzelne Blasenentzündung behandeln Hausarzt oder Gynäkologin gut. Zu mir kommen Patientinnen meist dann, wenn die Blasenentzündungen immer wiederkommen oder die Beschwerden trotz Behandlung bleiben. Unabhängig davon gilt: Bei Fieber, Schüttelfrost oder Schmerzen in der Flanke gehen Sie bitte sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt.