Was ist CPPS?
Das chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS) umfasst Schmerzen oder Missempfindungen im Becken, die seit mindestens drei Monaten bestehen – ohne dass sich Bakterien oder eine andere erkennbare Ursache finden. Häufig kommen Beschwerden beim Wasserlassen und in der Sexualität hinzu.
In der Fachsprache heißt es oft auch „chronische Prostatitis / chronisches Beckenschmerzsyndrom“ (CP/CPPS). Das ist missverständlich: Eine Entzündung der Prostata lässt sich meist gar nicht nachweisen, und die Schmerzen gehen nicht immer von der Prostata aus. Die europäische Urologen-Leitlinie spricht deshalb inzwischen vom „primären Prostataschmerzsyndrom“.
CPPS ist häufig: Bei etwa neun von zehn Männern mit „Prostatitis-Beschwerden“ liegt diese Form ohne Bakterien vor.
Symptome
Die Beschwerden sind von Mann zu Mann verschieden. Typisch sind:
- Schmerzen beim oder nach dem Samenerguss
- Schmerzen im Dammbereich
- Schmerzen im Unterbauch
- Schmerzen im Penis oder in den Hoden
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, schwacher Strahl
Oft ist die Muskulatur des Beckenbodens verspannt und druckempfindlich. Viele Männer erleben die Beschwerden in Schüben. Sie belasten Alltag, Schlaf und Partnerschaft – und das wiederum kann die Schmerzen verstärken.
Diagnose
CPPS wird gestellt, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind. Dazu gehören:
- Urinuntersuchung
- körperliche Untersuchung
- Ultraschall von Blase, Prostata und Nieren; Messung von Harnstrahl und Restharn
- eine Blasenspiegelung, wenn die Diagnose unklar bleibt
Stehen Blasenschmerz, Harndrang und häufiges Wasserlassen im Vordergrund, kann auch beim Mann eine Interstitielle Zystitis / ein Blasenschmerzsyndrom dahinterstecken.
Behandlung nach der Leitlinie
In Deutschland gibt es zum chronischen Beckenschmerzsyndrom keine eigene Leitlinie. Die aktuelle Leitlinie der amerikanischen Urologen von 2025 empfiehlt, mehrere Bausteine zu kombinieren – je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen – und gemeinsam mit dem Patienten zu entscheiden:
- Lebensstil: Ernährung umstellen, regelmäßige Ausdauerbewegung.
- Beckenboden-Physiotherapie bei verspannter, druckempfindlicher Beckenbodenmuskulatur.
- Medikamente: Alphablocker bei Beschwerden beim Wasserlassen; entzündungshemmende Mittel und andere Schmerzmittel; Medikamente gegen Nervenschmerzen; Tadalafil.
- Pflanzliche Mittel wie Pollenextrakt, Quercetin oder Sägepalme.
- Stoßwellentherapie mit niedriger Energie, Akupunktur und Nervenstimulation über die Haut (TENS).
- Psychotherapeutische Begleitung (kognitive Verhaltenstherapie) als Ergänzung.
Nicht empfohlen sind wiederholte Antibiotika-Kuren, wenn keine Bakterien nachgewiesen wurden, und Operationen an der Prostata, um die Schmerzen zu lindern.
In meiner Praxis
Viele Männer, die zu mir kommen, haben mehrere Antibiotika-Kuren und Medikamente hinter sich – ohne dauerhaften Erfolg. Deshalb suche ich zusätzlich nach den Ursachen der Beschwerden – zum Beispiel Gifte, Störfelder oder Nährstoffmängel. Wie ich dabei vorgehe, lesen Sie unter So suche ich nach den Ursachen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen chronischer Prostatitis und CPPS?
Umgangssprachlich wird beides oft gleichgesetzt. Fachlich ist das chronische Beckenschmerzsyndrom (CPPS) die Form ohne Bakterien – und mit etwa neun von zehn Fällen die weitaus häufigste. Die seltene chronisch-bakterielle Prostatitis ist eine eigene Erkrankung.
Warum helfen Antibiotika bei CPPS oft nicht?
Weil beim CPPS keine Bakterien nachweisbar sind. Die aktuelle amerikanische Urologen-Leitlinie von 2025 rät deshalb ausdrücklich davon ab, bei unauffälligen Urinkulturen immer wieder Antibiotika zu geben.
Welche Symptome hat ein chronisches Beckenschmerzsyndrom?
Typisch sind Schmerzen beim oder nach dem Samenerguss sowie Schmerzen im Dammbereich, Unterbauch, Penis oder in den Hoden, oft auch Brennen beim Wasserlassen. Die Beschwerden bestehen seit mindestens drei Monaten.
Was hilft bei CPPS?
Meist nicht ein einzelnes Mittel, sondern mehrere Bausteine zusammen – je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen: zum Beispiel Beckenboden-Physiotherapie, Medikamente gegen Beschwerden beim Wasserlassen oder gegen Schmerzen, Bewegung, Akupunktur oder Stoßwellentherapie. In meiner Praxis suche ich zusätzlich mit dem Autonomen Response Test (ART) nach den Ursachen der Beschwerden – etwa Gifte, Störfelder oder Nährstoffmängel; daraus ergibt sich auch die Behandlung.
Ist CPPS heilbar?
Die Beschwerden verlaufen oft über lange Zeit und wechseln in ihrer Stärke. Eine Behandlung, die bei allen Männern gleich gut wirkt, gibt es nicht. Viele finden aber mit der Zeit eine Kombination, die die Beschwerden deutlich lindert.