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Blase

Interstitielle Zystitis / Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS)

Schmerzen und Druck in der Blase, ständiger Harndrang – oft ohne Bakterien im Urin. Bis die Diagnose Interstitielle Zystitis oder Blasenschmerzsyndrom gestellt wird, haben viele Betroffene zahlreiche Arztbesuche hinter sich. Ich bin Mitautorin der deutschen Leitlinie zu dieser Erkrankung.

Medizinisch geprüft von Dr. med. Elke Heßdörfer, Fachärztin für Urologie · Stand: September 2026

Was ist IC/BPS?

IC/BPS ist der Oberbegriff für zwei Krankheitsbilder mit ähnlichen Beschwerden. Die aktuelle Leitlinie unterscheidet:

  • Interstitielle Zystitis (IC): eine Entzündung der Harnblase oder der Harnröhre. Sie kann mit einer Schädigung der Blasenschleimhaut, einer Infektion, Toxinen, einer Autoimmunreaktion oder einer Allergie zusammenhängen. Bei der Blasenspiegelung zeigen sich Veränderungen. Es gibt zwei Typen:
    • Hunner-Typ: mit Hunner-Läsionen, typischen Veränderungen der Blasenschleimhaut – bei etwa 12 % der Betroffenen
    • Nicht-Hunner-Typ: ohne Hunner-Läsionen, mit oder ohne kleine punktförmige Blutungen (Glomerulationen)
  • Blasenschmerzsyndrom (BPS): Beschwerden, die mit der Blase in Verbindung stehen – aber ohne Veränderungen bei Blasenspiegelung oder Gewebeuntersuchung.

Frauen sind etwa neunmal häufiger betroffen als Männer, am häufigsten im mittleren Lebensalter. IC/BPS kommt aber in allen Altersgruppen vor.

Symptome

Die Beschwerden können einzeln oder in beliebiger Kombination auftreten – nicht alle müssen vorhanden sein:

  • Blasenschmerz oder Blasendruck, von leicht bis schwer
  • Harndrang
  • häufiges Wasserlassen
  • Schmerzen, die auch in Harnröhre, Scheide oder Unterbauch zu spüren sind – oft abhängig von Blasenfüllung oder Entleerung

Bis zu 96 % der Betroffenen erleben zwischendurch Schübe. Viele reagieren auf bestimmte Lebensmittel und Getränke mit stärkeren Beschwerden. Häufig ist der Beckenboden verspannt, und der Geschlechtsverkehr ist schmerzhaft.

Diagnose

IC/BPS wird gestellt, wenn andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen sind. Nach der Leitlinie gehören dazu:

  • ein ausführliches Gespräch über Beschwerden, Verlauf, Auslöser und bisherige Behandlungen
  • ein Blasentagebuch (Trink- und Toilettenprotokoll)
  • Urinuntersuchung
  • körperliche Untersuchung und Ultraschall
  • eine Blasenspiegelung – sie zeigt, ob eine Interstitielle Zystitis vom Hunner-Typ, vom Nicht-Hunner-Typ oder ein Blasenschmerzsyndrom vorliegt, und schließt andere Erkrankungen aus

Weil Menschen mit IC/BPS ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben, empfiehlt die Leitlinie auch im Verlauf Kontroll-Blasenspiegelungen.

Behandlung nach der Leitlinie

Eine Behandlung, die die Erkrankung heilt, gibt es bisher nicht. Die Leitlinie empfiehlt, mehrere Bausteine zu kombinieren – abgestimmt auf den einzelnen Menschen:

  • Lebensstil und Ernährung: Unterkühlung und Stress meiden; unverträgliche Lebensmittel mit einem Ernährungs-Beschwerde-Tagebuch herausfinden – ohne pauschale Verbotslisten.
  • Beckenboden-Physiotherapie bei verspanntem Beckenboden – durch speziell ausgebildete Physiotherapeutinnen und -therapeuten.
  • Psychosomatische oder psychotherapeutische Mitbehandlung, wenn die Erkrankung seelisch stark belastet oder psychische Begleiterkrankungen bestehen.
  • Medikamente: zum Beispiel Pentosanpolysulfat (bei Glomerulationen oder Hunner-Läsionen; unter Dauertherapie werden augenärztliche Kontrollen empfohlen), Cimetidin, Hydroxyzin oder Amitriptylin.
  • Blaseninstillationen: etwa mit Hyaluronsäure und/oder Chondroitinsulfat, Heparin oder Lidocain.
  • Bei Hunner-Läsionen: Behandlung der Läsionen bei einer Blasenspiegelung in Narkose im Krankenhaus – durch Elektrokoagulation (Fulguration), Abtragung oder Laser.
  • Weitere Verfahren, wenn das nicht ausreicht: etwa Botulinumtoxin, Neuromodulation oder hyperbarer Sauerstoff.
  • Ergänzend nennt die Leitlinie unter anderem Akupunktur, Neuraltherapie und Pflanzenheilkunde.

Antibiotika sollen nur gegeben werden, wenn eine Infektion eindeutig nachgewiesen ist.

Aus meiner eigenen Forschung

In einer Untersuchung von 97 Patientinnen mit IC/BPS fand ich bei 65 % erhöhte Histaminwerte im Stuhl – im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe (Heßdörfer, 2018). Die aktuelle Leitlinie zitiert diese Arbeit im Kapitel Histaminintoleranz.

Statt einer Stuhlanalyse nutze ich heute den Autonomen Response Test (ART).

In meiner Praxis

Die meisten Patientinnen und Patienten, die zu mir kommen, haben Medikamente und Blaseninstillationen schon hinter sich – oft ohne dauerhaften Erfolg. Deshalb suche ich zusätzlich nach den Ursachen der Beschwerden – zum Beispiel Gifte, Störfelder oder Nährstoffmängel. Wie ich dabei vorgehe, lesen Sie unter So suche ich nach den Ursachen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Blasenentzündung und interstitieller Zystitis?

Eine Blasenentzündung wird durch Bakterien ausgelöst und klingt mit der Behandlung ab. Bei der Interstitiellen Zystitis bestehen die Beschwerden dauerhaft oder kehren in Schüben wieder – auch ohne nachweisbare Bakterien. Antibiotika sollen laut Leitlinie nur gegeben werden, wenn eine Infektion eindeutig nachgewiesen ist.

Ist das eine „Reizblase“?

„Reizblase“ ist kein Fachbegriff. Fachleute sprechen von der überaktiven Blase. Die Internationale Kontinenz-Gesellschaft (ICS) beschreibt sie so: starker Harndrang und häufiges Wasserlassen, oft auch nachts – ohne Infektion und ohne andere erkennbare Erkrankung. Schmerzen gehören nicht dazu. Laut Leitlinie steht bei der Interstitiellen Zystitis der Blasenschmerz im Vordergrund, bei der überaktiven Blase der Harndrang.

Interstitielle Zystitis – welche Symptome sind typisch?

Typisch sind Blasenschmerz oder Blasendruck, Harndrang und häufiges Wasserlassen – einzeln oder in Kombination; nicht alle müssen vorhanden sein. Die Schmerzen können auch in Harnröhre, Scheide oder Unterbauch zu spüren sein. Bis zu 96 % der Betroffenen erleben zwischendurch Schübe.

Ist eine interstitielle Zystitis heilbar?

Die Leitlinie sagt offen: Eine Therapie, die die Erkrankung heilt, hat sich bisher nicht durchgesetzt. Mit einer Behandlung, die auf den einzelnen Menschen abgestimmt ist, lassen sich die Beschwerden aber oft lindern.

Was ist eine Hunner-Läsion?

Eine Hunner-Läsion ist ein umschriebener, geröteter Bereich der Blasenschleimhaut, auf den kleine Gefäße strahlenförmig zulaufen – oft mit einem Belag oder einer kleinen Narbe in der Mitte. Man sieht sie bei der Blasenspiegelung. Sie kennzeichnet den Hunner-Typ der Interstitiellen Zystitis, der bei etwa 12 % der Betroffenen vorliegt.

Interstitielle Zystitis – was darf ich essen?

Bestimmte Lebensmittel und Getränke können die Beschwerden verstärken – häufig zum Beispiel Kaffee, Tee, Cola, Alkohol, Zitrusfrüchte, Tomaten, Chili, Essig, scharf gewürzte Speisen sowie Glutamat und Süßstoffe. Die Leitlinie rät aber von pauschalen Verbotslisten ab: Besser ist es, mit einem Ernährungs-Beschwerde-Tagebuch herauszufinden, was Sie persönlich nicht vertragen.

Wie erkennt man eine interstitielle Zystitis?

IC/BPS wird gestellt, wenn andere Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen sind. Nach der Leitlinie gehören dazu ein ausführliches Gespräch, ein Blasentagebuch, eine Urinuntersuchung, eine körperliche Untersuchung mit Ultraschall und eine Blasenspiegelung. Die Blasenspiegelung zeigt, ob eine Interstitielle Zystitis vom Hunner-Typ, vom Nicht-Hunner-Typ oder ein Blasenschmerzsyndrom vorliegt.

Was zeigt der Urin bei interstitieller Zystitis?

Ich untersuche den Urin unter dem Mikroskop (Urinsediment) und lege eine Urinkultur an, um Bakterien und Pilze auszuschließen. Gerade bei jüngeren Frauen untersuche ich den Urin zusätzlich mit einer PCR auf sexuell übertragbare Erreger. Ob eine Interstitielle Zystitis vorliegt, zeigt die Blasenspiegelung.

Was hilft bei Blasenschmerzsyndrom?

Die Leitlinie empfiehlt, mehrere Bausteine zu kombinieren: Lebensstil und Ernährung, Beckenboden-Physiotherapie, psychosomatische Mitbehandlung, Medikamente, Blaseninstillationen und – wenn das nicht reicht – weitere Verfahren. Wer das alles schon hinter sich hat, profitiert nach meiner Erfahrung oft davon, zusätzlich nach den Ursachen der Beschwerden zu suchen.