Oft mehrere Ursachen zugleich
Die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU, 2026) und ein Konsens der Internationalen Kontinenz-Gesellschaft (ICS, 2019) betonen: Nächtliches Wasserlassen hat oft mehrere Ursachen, die zusammenwirken. Man unterscheidet vor allem drei:
- Der Körper bildet nachts zu viel Urin. Gründe können viel Trinken am Abend sein, Wassereinlagerungen in den Beinen, die im Liegen ausgeschieden werden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen oder bestimmte Medikamente. Außerdem verändert sich im Alter der Tag-Nacht-Rhythmus der Hormone, die die Urinmenge steuern.
- Die Blase speichert zu wenig, etwa bei einer überaktiven Blase. Bei Männern kann auch eine vergrößerte Prostata beteiligt sein.
- Der Schlaf ist gestört. Menschen mit Schlafstörungen müssen etwa doppelt so häufig nachts zur Toilette. Auch eine Schlafapnoe – Atemaussetzer im Schlaf – kann dazu führen, dass nachts mehr Urin gebildet wird.
Untersuchung
- ein Gespräch über die Beschwerden, Trinkgewohnheiten, den Schlaf, Vorerkrankungen und Medikamente
- ein Blasentagebuch über zwei volle Tage und Nächte – bis einschließlich des ersten Morgenurins am dritten Tag: wann und wie viel Sie trinken und Wasser lassen
- Urinuntersuchung
- Ultraschall von Blase und Nieren mit Messung des Restharns, bei Männern auch der Prostata
Das Blasentagebuch zeigt, wie sich die Urinmenge auf Tag und Nacht verteilt – und damit, ob nachts zu viel Urin gebildet wird oder die Blase zu wenig speichert.
Behandlung nach der Ursache
Oft helfen schon einfache Maßnahmen: abends weniger trinken, Kaffee und Alkohol reduzieren, bei Wassereinlagerungen die Beine am späten Nachmittag hochlegen.
Liegt die Ursache in der Blase oder der Prostata, gibt es Medikamente. Beim nächtlichen Wasserlassen helfen sie allerdings oft nur wenig.
Stecken Herz, Nieren, Diabetes oder eine Schlafapnoe dahinter, werden diese Erkrankungen behandelt. Die Leitlinie empfiehlt dafür, die jeweiligen Fachrichtungen einzubeziehen.
In meiner Praxis
Ich suche zuerst nach den üblichen Ursachen. Reicht das nicht aus, suche ich zusätzlich nach weiteren Ursachen. Wie ich dabei vorgehe, lesen Sie unter So suche ich nach den Ursachen.
Häufige Fragen
Wie oft nachts zur Toilette ist normal?
Eine feste Grenze nennen die Leitlinien nicht. Einmal pro Nacht ist im Alter sehr verbreitet: Je nach Studie stehen rund 70 bis 90 % der über 70-Jährigen mindestens einmal auf, bis zu 60 % zweimal oder öfter.
Liegt es bei Männern immer an der Prostata?
Nein. Die europäische Leitlinie hält es sogar für umstritten, ob eine vergrößerte Prostata nächtliches Wasserlassen verursacht oder nur gleichzeitig vorkommt. Medikamente für die Prostata verringern das nächtliche Aufstehen meist nur wenig.
Sollte man nächtliches Wasserlassen abklären lassen?
Ja. Es kann ein Hinweis auf andere Erkrankungen sein, etwa des Herzens, der Nieren oder auf Diabetes. Einige davon lassen sich gezielt behandeln.